Die Sprache meiner Gedanken

Ich sitze im Bus mit meiner Klasse, und während wir draußen durch die flache Einöde Dänemarks fahren, wendet sich das Thema plötzlich den Sprachen zu. Nachdem ich ein paar sprachliche Fehler gemacht habe, in denen ich Englisch, Deutsch und Dänisch vermischt habe, kommt die Frage auf, auf welcher Sprache ich denn denke.
Dies ist tatsächlich eine der Fragen die ich mir oft stelle, und die ich bisher noch nicht beantworten konnte. Tatsächlich habe ich eine Menge Sprachen im Kopf. Im Kindergarten habe ich Dänisch gelernt, und spreche es im Alltag fließend, dann in der dritten Klasse kam Englisch hinzu, und dann in der neunten Französisch und in der 11. dann letztendlich Spanisch. Die letzten drei habe ich auf Dänisch gelernt, also mit dänischsprachigen Lehrern.
Das erste Mal, dass ich einer sehr komplexen Situation ausgesetzt war, war in der 10. Klasse, als ich in Schweden zu einem zweiwöchigen Austausch war (Post dazu hier) . Da die Schweden teilweise Probleme haben Dänisch zu verstehen, und ich Schwedisch überhaupt nicht verstehe, musste ich dort Englisch sprechen. Aber die anderen mit denen ich diese Reise bestritt, waren Dänen. Außerdem handelte es sich bei diesem Austausch um ein Treffen verschiedener Nationen. 4 Schüler aus jeweils Norwegen, Dänemark (ich vertrat Dänemark unter anderem), Finnland und Island besuchten schwedische Familien. Die Isländer versteht man ja sowieso nicht, aber die Finnen waren allesamt schwedisch-stämmige Finnen (sowas wie die Schwedische Minderheit in Finnland) und einigermaßen zu verstehen. Die Norweger waren kein Problem. Aber dennoch herrschte ein allgemeines Chaos der Sprachen. Einerseits war es etwas undurchschaubar, andererseits war der Austausch und die Verständigung trotz allem sehr besonders.
Damals habe ich das erste Mal auf einer anderen Sprache geträumt. Auf Englisch.

Sobald ich allerdings in Dänemark zur Schule ging, konnte ich den Unterschied nicht mehr spüren. Ich weiß nicht ob ich jemals die Sprache in Gedanken wechsele. Mir fällt es leicht zwischen den Sprachen zu wechseln, insbesondere Dänisch und Englisch. Wenn ich einen Satz im Kopf formuliere, dann ist er in der jeweiligen Sprache in der er sein soll. Doch hat das Unterbewusstsein eine Sprache?  Müssen wir den Empfindungen und Reflexen des Körpers eine Sprache geben? Ich weiß es nicht.
Ich habe seit langem die Auffassung, das unsere Gedankenwelt in 2 oder 3 "Ebenen" aufgeteilt ist. Erstmal wären da die Gedanken, die wir direkt beeinflussen können. So wie ich jetzt zum Beispiel im Kopf diesen Satz formuliere, oder wenn ich versuche eine Mathematik-Aufgabe zu lösen. Dann wäre da die "Ebene" auf der wir so ähnlich wie vorher Gedanken haben, die aber eher im Fluss sind. Also eher so Gedankenblitze, die kommen und gehen. Ich würde diese Kategorie vielleicht eher zur ersten zu ordnen, vielleicht als Unterkategorie, denn sie sind zwar oftmals nicht direkt von unserem Willen beeinflusst, sondern eher intuitiv, aber dennoch sind sie uns durchaus bewusst.
Als letzte "Ebene" sehe ich unser Unterbewusstsein, welches aus Intuitionen, Reflexen und Gefühlen besteht.
Und gerade hier weiß ich nicht, ob diese Ebene eine Sprache hat, oder nur aus abstrakten Reflexen besteht.

Wie man merkt ist meine ganze Theorie noch ein bisschen wackelig, und es bringt mich überhaupt nicht weiter in dem was ich eigentlich wissen will. Ich hoffe ihr seid jetzt nicht zutiefst verstört, und verlässt die Seite fluchtartig. Ich freue mich wenn hier irgendjemand meinem Gedanken-WirrWarr folgen konnte, und vielleicht eine Meinung dazu hat, die er in einem Kommentar hinterlässt.


Shape of my Heart

Comments

  1. Mein Hirn spricht auch nicht unbedingt eine Sprache, ich sehe eher alles in Bildern und Gefühlen. Wenn dann Sprache hinzu kommt ist es nur für Zwecke bei denen ich diese Bilder in verständliche Sätze für andere packen muss.

    Ich denke wir haben gar keine richtige Sprache in unserem Kopf. Und kann deinem Gedankengang zustimmen. Finde es interessant wie du das siehst!

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  2. Ich bin jetzt nicht zweisprachig aufgewachsen oder so, aber kann das ganze was du hier so niedergeschrieben hast gut verstehen :D Als ich eine Woche in England war, habe ich durchgehend auf englisch gedacht. Und das obwohl ich zwischendurch viel deutsch gesprochen habe, da ja auch viele deutsche mitfahren und meine mama sowieso jeden tag angerufen hat, haha :D

    Zum Träumen kann ich sagen, dass in meinen Träumen so gut wie nie geredet wird,- Zumindest habe ich nie Erinnerungen an Stimmen oder Sprachen, sondern nur der Inhalt. Das heißt theoretisch könnte es jede Sprache gewesen sein, die ich verstehe.

    Das Bild ist übrigens auch schön! <3
    xx

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  3. Ich sehe diese Sache mit den Gedanken-Ebenen genauso. Es gibt eine Ebene, in der man sich auszudrücken versucht, die sich in Wörtern formt und eine unterbewusste Form der Gedanken, die sich mit der Sprache mischen kann und, wie du schon sagtest, so etwas wie intuitive Gedanken, die wir vielleicht nicht einmal bemerken. Und Träume können sich in allen drei Formen ausdrücken. Mir ist es auch schon passiert, dass ich mit meiner Familie oder in der Schule anfing Englisch zu sprechen, da ich mit meinem italienischen Freund Englisch spreche, da wir die jeweils andere Sprache Deutsch bzw. Italienisch noch nicht genug beherrschen, und ich träume auch verschiedensprachig, was ich aber nicht mehr bemerke. Ich denke Sprache ist beides, bewusst und unbewusst, obwohl das Unterbewusstsein vielleicht eine Sprache hat, die sich nicht in Worte fasst. Ich denke nicht, dass deine Theorie verrückt ist, weil ich derselben Meinung bin ^^
    Ich finde es gut, wenn sich jemand über solche Dinge Gedanken macht und bin immer noch froh, deinen Blog entdeckt zu haben - Tolle Bilder und interessante Texte, was will man mehr? :)

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  4. wow, ich finde es erstaunlich mit wie vielen sprachen du konfrontiert wirst. kein wunder, dass man da so seine aussetzer und misch-misch-sätze hat. auf der einen seite ist es ja gut, dass du die möglichkeit hast, so viele sprachen zu lernen und diese möglichkeit auch nutzt. aber auf der anderen seite denke ich mir: ist das nicht ein bisschen zu viel? hauptsache du kannst am ende sagen: es hat sich gelohnt. und nicht, dass du nach der schulzeit zurück schaust und der freizeit hinterher trauerst, die du aufgrund von den fächern verloren hast.
    wunderwunderbares bild♥

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  5. das sind mal echt viele sprachen mit denen du dich täglich auseinandersetzt. ein interessanter post, gefällt mir gut!
    und ein schönes bild :)

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  6. Wow, das war ein toller Text. Als ich gelesen habe wer alles bei dem Austausch mitgemacht hat war ich schon verwirrt, also möchte ich gar nicht erst wissen wie es ist wenn man mitten drin steckt. Ich hoffe du hattest dort trotzdem eine schöne Zeit. Deine Theorie mit den Ebenen klingt echt interessant und auch irgendwie logisch. Daran solltest du arbeiten vielleicht wirst du damit ja noch eine berühmte Professorin? Ich mag es selber auch total gerne mich mit sowas auseinander zu setzten. Zum Beispiel über die Frage ob Jeder jede Farbe gleich sieht könnte ich mir stundenlang Gedanken machen. Am besten baue ich das auch nicht weiter aus da es sonst ein nicht endender Kommentar wird :D
    Ganz liebe Grüße
    Johanna
    p.s. Mach dir keine Sorgen darüber wie diese textreichen Post ankommen! Mir gefallen sie schon mal und falls sie jemanden überhaupt nicht gefallen: am Ende ist ja ein ausdrucksstarkes und bezauberndes Bild!

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  7. Ich fand es gerade ziemlich spannend, das zu lesen. Für mich sind Sprachen sowieso unglaublich faszinierend, obwohl ich eigentlich eher selten auf Englisch träume und französisch schon gar nicht. Trotzdem mischt es sich irgendwie immer alles, man bemerkt die Verbindungen und Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Worten und dem ganzen Aufbau...
    Und das mit den Ebenen glaube ich auch, die meisten Gedanken bemerkt man ja irgendwie gar nicht - aber sie sind immer da, man denkt jede Sekunde seines Lebens.

    Alles Liebe,
    Märchenkind

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  8. Liebe Lilian,
    ich bin ganz durch Zufall auf deinen Blog gestossen und er gefällt mir richtig gut. Gerade dieser Post mit den Sprachen gefällt mir sehr gut, das hast du echt gut geschrieben!
    Und dass du so viele Sprachen benutzen kannst, finde ich echt tol!!
    Ich selbst bin in Deutschland aufgewachsen und lebe jetzt seit über einem Jahr in Frankreich und ich werde öfter gefragt, ob ich denn jetzt mehr auf französisch denke, aber das weiss ich nicht...also dein Post hat mir jetzt bestätigt, dass ich auf diese Frage wohl nie eine eindeutige Antwort geben kann :)
    Und das mit den verschiedenen Ebenen finde ich ja einen sehr interessanten Gedanken, so habe ich noch nie gedacht, das werde ich mir mal weiter durch den Kopf gehen lassen..
    Ich werde in Zukunft auf jeden Fall öfter mal bei dir vorbeischaun!

    Sei lieb gegrüsst,
    Laurella
    (www.laurella-photo-and-more.blogspot.de)

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