Flashback

Broken Wings
Ich kannte einst ein Mädchen, welches sich nach der Schule in ihr Zimmer einsperrte, und jeden Nachmittag Tränen in ihr Kissen weinte. Sie fühlte sich so verzweifelt. Es schien ihr, dass es keinen Ausweg mehr für sie gab. Alles was sie noch hielt, war es ihre Worte aufzuschreiben. Vor kurzen fand ich ihre Texte, auf einer alten Festplatte, welche verstaubt im Regal lag.  Sie schrieb:

 „ Ich weiß nicht mehr, wer ich wirklich bin, hinter all den Geschichten und Masken. Ich habe mich selber irgendwo auf dem Weg verloren. Ich würde gerne versuchen, der Welt mein Wahres Ich zu zeigen. Aber was ist das? Ich glaube es würde niemanden gefallen. Und es würde mich in ein tieferes Loch werfen, als die kleine Unebenheit die ich gerade durchmache. Vielleicht ist es gut, dass ich mir selber weis mache, ich wäre diese und jene Person. Vielleicht versuche ich mich nur selber zu beschützen. Ich weiß es nicht. Was weiß ich überhaupt noch? Der Antrieb ist verschwunden. Ich lebe um den Tag zu überleben. Ich lebe nicht um des Lebens Willen. Ich verzweifle an mir selber, da ich doch tief in mir drinnen weiß, dass ich es ändern kann. Aber diese unendlich verzweifelte Person die ich im Moment bin, hindert mich daran, etwas zu ändern. Ich versage. Ich versage komplett. Und was bin ich für ein Mensch, wenn ich nicht wenigstens ein kleines bisschen was selber schaffen kann?“ 

Als ich diese Worte las, musste ich weinen.
 Und mir wurde klar, dass es die ganze Zeit nur einen Menschen brauchte, der mich versteht. Einen Menschen, der mich nicht so kennt. Einen Menschen der mich für das schätzt was ich bin, nicht das was ich war, oder was ich sein werde. Ich bin so froh, dass dieses Mädchen es geschafft hat, sich aus ihren Fesseln zu befreien. Und mir ist klar geworden, dass die ganze Zeit dort draußen andere Menschen sitzen, und eine ungeheure Last mit sich rumschleppen. Und ich hoffe dass sie alle irgendwann jemanden finden.
Vielleicht werde ich für jemand anderen die Person sein, die ihm oder ihr hilft. Jemand der dir die Hand reicht, und dich von allen Lasten befreit, kann dir zeigen, wie wertvoll das Leben ist, und dass man es schätzen sollte.


Zu den Bildern: Ich finde, dass es auf keine Art und Weise ästhetisch ist, übermäßig dünn zu sein. Beim richtigen Licht, der richtigen Pose und der richtigen Nachbearbeitung, kann man, so wie ich es tat, sein Aussehen stark beeinflussen. Ich habe eine absolut normale Figur, und bin wohl der größte Nutellabrot-Konsument den ihr euch vorstellen könnt. Und trotz meiner großen Vorliebe für saftige Braten und süße Sachen, sieht mein Rücken nunmal aus, wie er aussieht. Mit Ecken und Kanten. Das bin ich halt.  Also spart euch die Kommentare, welche mir eine Essstörung vorwerfen.

Comments

  1. wunderschöner Post, von ganzem Herzen! alles Liebe <3

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  2. wow, so ein toller text, so gut nachvollziehbar, einfach wunderschön geschrieben♥
    und das bild ist wahnsinnig ausdrucksstark, wofür du dich garnicht rechtfertigen musst! :)

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  3. Respekt, dass du dich traust, das zu veröffentlichen!

    Ich kenne auch einige, denen es so ging, und stimme dir voll zu. Wenn da jemand anderes ist, der einen versteht, hilft das.
    Du hast mit deinem Blog einen schönen, kleinen Teil der Welt geschaffen, der davon erzählt, sich über das Leben und die Welt zu freuen.

    Seit ich das gelesen habe, sehe ich auch in den Bildern, die nachdenklich, verletzlich wirken mehr, als vorher.
    Liebe Grüße und weiter alles Gute!
    Jakob

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  4. ich liebe diesen text....er macht mich aber auch traurig...sehr sogar:/ vor ca. 3 Jahren lag ich auch jeden tag weinend in meinem bett. ich glaube Selbstzweifel sin die allerschlimmste Art von Zweifeln die es gibt.

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  5. Ein sehr bewegender Text, der mich ebenfalls zu Tränen gerührt hat...

    Ich bin ebenfalls froh, dass sich dieses Mädchen befreien konnte und das Leben neu entdeckt hat! Es ist schrecklich, wie viele in der heutigen Welt an den Anforderungen und an der unpersönlichen Schnelllebigkeit zu Grunde gehen. Ich hoffe, dass sich dies nicht weiter verschlimmert - man lebt nur einmal und sollte es genießen und nicht vor Traurigkeit das Leben an sich vorbeiziehen lassen.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße,
    Janne von meeresrauschen

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  6. ich bin froh, dass dieses mädchen (wieder) zu sich selbst gefunden hat. und nun vielleicht besser versteht, dass es eben keine versagerin ist, sondern eine kämpferin. eine, die alle tiefen des lebens meistern kann und wird. eine person, die einen wertschätzt und für das liebt, was man ist, ist wunderbar zu haben. aber die person, mit der man am ende das tages am zufriedensten sein sollte, sollte man selbst sein (aber das ist nur meine meinung). ich hoffe dieses mädchen wacht jeden tag auf und ist froh darüber. ich hoffe es sehr.
    zu dem bild kann ich nur sagen- es ist sehr ausdrucksstark. und bewegend. also genau das, was photographie eigentlich sein sollte.

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  7. Wow, der Text zusammen mit dem Bild sind so ausdrucksstark.

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