Es werde Licht


Ich bin kein Meister der Worte. Meine Liebe zum Verfassen von wortgewaltigen Texten ist schon lange der Leidenschaft zur Fotografie gewichen. Doch ich denke, dass kein Foto ausdrücken kann, was ich jetzt sagen will...

Ich habe lange überlegt ob ich diese Worte in einem Video zusammenfassen soll, oder ob ich sie lieber schreiben möchte. Ich habe tausendmal angefangen das Video zu drehen, und immer wieder habe ich sie wieder gelöscht. Die Worte wirkten gespielt, und irgendwie möchte ich es lieber Schwarz auf Weiß sehen. Als ich vor ein paar Tagen diesen Artikel las, in dem es vor allem darum geht, dass man das was man macht vor allem selber mögen soll, wurde mir einiges klar. Ich hatte nie vorgehabt was großes aus diesem Blog zu machen, aber in letzter Zeit habe ich durch die Fotografie einige Aufmerksamkeit gekriegt. Das hat mich erst sehr stolz gemacht, und natürlich war ich froh, dass so viele Leute meine Arbeiten ansehen. 

Doch mit der Aufmerksamkeit steigt auch der Druck, immer das Niveau bei zuhalten. Ich bin eher der Art Mensch, die einige Bilder machen, ein paar kreative Ideen hin und wieder und dann hin und wieder mal richtig gute Ideen kriegen, und ein großes Werk erschaffen. Als ich dann in einer der Phasen war, in denen eher "normale","unkreative" Portraits dran waren, kamen immer mehr Kommentare und Nachrichten, von wegen "Ich vermisse deinen alten Stil", und "früher warst du viel besser". 

Das hat mich sehr wütend gemacht. Ja wütend. Ich war nicht einfach nur sauer, sondern richtig wütend. Denn was fällt diesen Menschen ein, a) über die Qualität meiner Arbeiten zu urteilen, und b) von mir zu verlangen, dass ich meinen Bildstil für sie ändere, dass ich meine Arbeiten für sie mache.
Mir wurde sofort klar: Ich mache Fotografie nur für mich selbst. Ich mache sie nicht für meinen Blog, nicht für Flickr und nicht für irgendwelche Leser. Ich mache sie, weil ich es möchte. Weil es das ist was ich liebe. Es ist manchmal frustrierend, es ist manchmal hoffnungslos. Aber nichts ist schöner als ein fertiges Ergebnis, bei dem man mal wieder ein bisschen über sich selbst hinaus gewachsen ist. Nichts ist schöner als das ständige experimentieren, und Inspiration schaffen und basteln. Dieses Gefühl, kann ich mit keinem Leser dieser Welt teilen, denn es ist etwas was nur in mir vorgeht. Andere Fotografiebegeisterte und Künstler kennen dieses Gefühl vielleicht. Aber es ist etwas was nur für einen bestimmt ist. 

Und ich denke gerade das ist es, was einen Professionellen Fotografen, von Amateur Fotografen wie mich unterscheidet. Sie sind abhängig von ihrem Geld, mein Hobby, ist für sie die Lebensgrundlage. Ich kann immer entscheiden wann ich wie viel Fotografieren will, und am wichtigsten: Was ich fotografieren will. Und deshalb will ich ( bis jetzt ) nicht Fotografie studieren. 

Diese Verzweiflung führte bei mir, gemischt mit einer kleinen Prise Drüsenfieber, zu einer absoluten Blockade. Was möchte ich tun? Wo will ich hin? Was soll das ganze eigentlich? Und hat das ganze überhaupt noch einen Sinn? Ich hatte den Druck, immer neue Bilder zu machen, auf hohen Niveau, neue Ideen zu erschaffen, und bessere Bilder als die anderen zu machen
Das ist es. Ich bin ein unglaublicher Konkurrenz-mensch. Ich musste besser sein als die anderen Blogger, um hervorzustechen. Deshalb lese ich auch so gut wie keine anderen Blogs mehr. Denn ich vergleiche mich ständig mit ihnen, und versuche mich mit ihnen zu messen. Deshalb brauchte ich Zeit zum durchatmen. Eine Pause. 

Doch selbst in dieser Pause, verlief kein einziger Tag, in dem ich nicht einmal dachte: "Das könnte ich gut bloggen" oder "Ich muss unbedingt noch Bilder für den Blog machen". Ich bin so sehr abhängig davon ständig neue Sachen zu teilen, dass ich überlegte es doch alles hinzuschmeißen. Aber ich bin auch einer der Menschen die nicht aufgeben. Aufgeben kommt nicht in Frage. 

Deshalb habe ich mir selber ein paar Ziele gesteckt: 
  • Zwing dich nicht
  • Deine Leser können ruhig ein bisschen warten, wenn du nichts zu zeigen hast
  • Sei unabhängig
  • Trau dich aus dem Rahmen zu fallen
Und noch ein Zitat aus dem Artikel von Kwerfeldein: 
Einer Person gefällt das - Mir!


Danke, wenn ihr dies gelesen habt. Auch wenn ihr nicht seid, würde es mich freuen, wenn ihr eure Haltung dazu in den Kommentaren teilen wollt.

Comments

  1. Anonymous10.6.14

    Sehr schlaue Worte, wie ich finde!
    Kann das nur zu gut nachvollziehen wie du dich fühlst, stecke in einer ähnlichen Situation in der man sich ständig und immer vergleicht.
    PS: Geh deinen Weg und lass dich nicht von negativen dingen beeinflussen.

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  2. Du beschreibst genau das, was mich davon abgehalten hat, beruflich in Richtung Fotografie zu gehen, auch wenn manche Menschen mir gesagt haben, ich solle das doch tun.
    Weil ich Angst hatte, die Freude daran zu verlieren, weil ich gerne 50mal einen Grashalm fotografiere um das perfekte Bild davon zu machen, oder eben nicht, anstatt unter Ergebnisdruck zu stehen.
    Zudem sind meine Bilder zwar nicht unbedingt schlecht und manchmal vielleicht sogar gut, aber es reicht niemals um an das Niveau zu kommen, das schon junge Fotografen so viel im Internet zeigen (z.B. du :) ). Und das frustriert, denn wenn man dann vergleicht, fragt man sich warum irgendjemand dann eigentlich seine Bilder angucken sollte.

    Deswegen habe ich auch unter anderem aufgehört zu bloggen und fotografiere momentan eigentlich nur für mich.
    Weil ich mit Bildsprache die Tage so viel besser festhalten kann als mit Wörtern und dafür sollen meine Bilder hauptsächlich da sein.
    Nicht für Massen an Lob (auch wenn man es genießt), nicht für den Lebensunterhalt, sondern um ein bisschen die Zeit anzuhalten und später zurückdenken zu können, ganz für mich.

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  3. Hey Lilian, ich finde und fand deine Bilder immer toll,du bringst immer soviele verschiedene Gedanken in einem Bild zum Ausdruck. Ich glaube nur, du machst dir selbst zuviel Druck,kümmere dich nicht um die Leser die meinten, dein Stil hätte nachgelassen.Es ist dein Blog, du kanns posten wann du willst und was du willst!versuche doch wieder mehr Spaß an der Fotografie zu finden-nicht nur aus Zwang und mit dem Gedanken Ich MUSS jetzt bloggen. Ich kenn von mir selbst diese Phasen wo ich nur auf Motivsuche gehen um einen neune Post verfassen zu können.Aber während ich fotografiere wird mir dann immer wieder klar wieviel spaß mir die Fotografie doch macht. Deswegen, sei ein bisschen lockerer und stelle nicht so hohe Ansprüche an dich selbst. Es muss nicht jedes Bild perfekt sein wie du es dir vorher vorgestellt hast.Jedes Bild ist schon auf seine Art und Weise perfekt insofern es für dich eine Bedeutung hat;) Du und Realize sind einzigartig-diesen Blog gibt es kein zweites mal und auch dein Fotografierstil ist einzigartig-du brauchst dich nicht mit anderen zu messen ;) lies dir doch andere Blogs einfach mal ganz entspannt durch und erfreue dich an den Bildern ;)
    Ich freue mich auf deine nächsten Bilder :) Liebste Grüße und bis bald-Elli <3

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  4. ich kann dich wirklich sehr gut verstehen, ich setze mich da auch gern total unter druck. außerdem vergleiche ich mich auch dauernd mit anderen besseren und bin traurig wenn sie so viel schönere Bilder machen, aber ich stehe gerade erst am Anfang deshalb will ich mir da nicht so viel Stress machen!
    ich akzeptiere deine Entscheidung aber hoffe dass es trotzdem noch viele Bilder von dir zu sehen gibt, denn ich mag sie sehr, auch wenn sie anders sind als das was ich mache :)
    liebe Grüße und viel Kraft <3

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  5. Ich finde es sehr gut, dass du die Fotografie nicht wie so viele Blogger als Zwang betreibst. Du machst es weil es dir spaß macht und weil es das ist was du liebst und das sieht man auch in deinen Bildern. Es fällt einem immer wieder leicht unter Druck zu stehen, ich glaube man muss erst lernen einen Blog ohne Zwang zu führen, so einfach ist das gar nicht.
    Alles Gute,
    Jone ♥

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  6. Ich verstehe dich total und es ist durchaus okay wenn wir Leser mal warten :) Du bloggst ja nicht für uns sondern für dich. Und wenn du dich zu etwas zwingst, verlierst du vielleicht den Spaß daran. Das wäre sehr schade! Also mach das, was du willst und dir gut tut :)!

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  7. Ich kann dich gut verstehen, stecke auch grade in einer ähnlichen "Krise". Es ist komisch, wenn man sich immer vorgenommen hat etwas mit der Fotografie zu machen und sich dann bewusst zu werden, dass das vielleicht doch nicht so einfach ist.. Trotzdem finde ich deine Bilder immer schön (bin selbst Hobbyfotografin). Es ist wichtig dass du das tust, was dir gefällt und guttut.

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  8. Ja, ja, ja, perfekt zusammengefasst und ausgedrückt!

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  9. Hallo du,
    Du kennst mich wahrscheinlich nicht so, aber ich folge deinem Blog jetzt schon bestimmt über ein Jahr und ich schau mir deine Fotos immer gerne an, bzw lese auch deine Texte sehr gern! Ich kann das teilweise nachvollziehen ... Ich freu mich natürlich über jeden weiteren Leser und Kommentar, aber mittlerweile wird mir mein Blog manchmal schon fast zu "groß" und an manchen Tagen ist mir das gar nicht mehr geheuer. Andere Buchblogs in der Klasse posten fünfmal die Woche, lesen monatlich schon mal über 20 Bücher, beziehen regelmäßig Rezensionsexemplare von Verlagen und veröffentlichen ihre Rezensionen auf 15 verschiedenen Plattformen. Ganz ehrlich, da kann und will (besonders beim letzten Punkt) ich einfach nicht mithalten - da sind mir andere Hobbys, meine Freunde und Schule wichtiger. Ich will nicht tagein tagaus lesen, damit ich mit "anderen" mithalten kann. Es hat richtig lange gedauert bis ich das begriffen hab, und noch länger, bis ich das in meinem eigenen Tempo durchgezogen und die ganze Sache auf meine Weise angegangen bin.

    "Früher warst du besser" oder ähnliches - das gibts doch nicht! Ich find, das kann man sich als Leser ehrlich nicht erlauben. Ein Blog ist ja praktisch persönliches Eigentum haha und da kann man so viel oder so wenig und dieses und jenes tun und machen, was man will. Wenn's einem gefällt, gefällt's einem. Andere Menschen müssen und sollen nicht immer deine Meinung teilen!

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  10. Wahre Worte!! Hast du gut geschrieben und ich sehe das genau so!

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  11. Anonymous12.6.14

    ich finde alles so wahr was du geschrieben hast ... habe selber einen blog und kenne all deine angesprchenen Gefühle :/ man steht wirklich ständig unterm seinem gewissen druck :/

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  12. Ich kann dich sehr gut verstehen. In letzter Zeit ist dieser Druck zu posten auch immer stärker geworden. Wenn ich dann mal eine Woche nichts neues gepostet habe, kam direkt der Gedanke: "Was sollen meine Leser denken? Ich muss doch immer was neues präsentieren." Auch wenn es dir vielleicht nicht weiterhilft, aber du bist nicht die einzige Bloggerin, der es so geht.

    Teilweise hatte ich auch mal überlegt, das Fotografieren zu meinem Beruf zu machen. Aber ich möchte nur dann fotografieren, wenn ich es will und nur die Motive, auf die ich gerade Lust habe.

    Den Artikel von kwerfeldein, den du in einem anderen Post bereits erwähnt hast, habe ich auch gelesen und er spricht mir aus der Seele. Meine Fotos sollen hauptsächlich einer Person gefallen, nämlich mir selber.

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  13. Ich mochte den Kwerfeldein-Arktikel gar nicht. Ich hab sowas einfach schon zu oft von Martin gelesen, jedes Mal wenn er sich und seine Fotografie ein bisschen ändert kommt von ihm die große Realisation, dass er früher ja alles nur für die anderen gemacht hat, nicht er selbst war und jetzt sein Ding durchzieht. Dazu noch einen Haufen Kraftausdrücke und er klingt so richtig schön rebellisch. Dabei sollte das eigentlich ein erwachsener Mann sein.

    Mit dem Grundgedanken stimme ich aber vollkommen überein. Wenn die morgendlichen Brötchen nicht von dem abhängig sind was und wie oft du fotografierst, dann fotografiere so oft, so viel und was du möchtest.

    Dein Blogeintrag beinhaltet genau diese Message und zwar in einer Form, bei der ich anerkennend den Kopf nicken will. Diese Stärke, wenn du das so durchziehen kannst - auch innerlich - ist bewunderswert und verdient meinen Respekt. Ganz anders als beim Kwerfeldein-Artikel, wo ich mir die Haare raufen, den Kopf schütteln und die Wände hochgehen wollte.

    Ich hänge mit meiner Einstellung noch irgendwie so dazwischen. Ja, als ich keine Zeit hatte zum Bloggen, hatte ich halt keine Zeit und ließ es auch. Fühlte mich aber gleichzeitig in der Situation mich entschuldigen zu müssen. Immerhin war lange Zeit komplette Funkstille. Und jetzt, wo ich wieder "da" bin, es aber alles nicht mehr so "läuft" wie früher, ertappe ich mich doch immer wieder dabei, mich zu fragen, was ich "falsch" mache, dass ich so wenige Leser habe und vergleiche usw. Na ja, das alles ganz abzustellen und eine komplette Gleichgültigkeit zu entwickeln, soweit bin ich noch nicht, aber ich versuche die Balance zu halten und die tatsächlichen Auswirkungen auf meine Fotografie in Grenzen (engen Grenzen) zu halten.

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  14. Katharina26.1.15

    ich habe deinen Blog gerade erst entdeck er ist echt wunderschön!
    Ich kenne das Gefühl. Und finde das du das super geschrieben hast und bewundere deine Einstellung. Ich habe erst vor kurzen mit Selbstportrais angefangen und bin oft nicht zufrieden vor allem, wenn ich mir die von anderen ankucke. Ich bin auf instagram und zeige dort meine gelungen Bilder, aber wenn ich dann mal eine Woche nichts poste verliert man direkt 10 Follower, weshalb ich mir dann nur wieder noch mehr Stress mache...

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